Mein Weg zur eigenen Infrastruktur — und was ich dabei über Architektur gelernt habe
Von Peter Schmidt
Es fing mit einem Meetup an. Beim Vibe Coding Cologne der Pirate Skills (extern) ging es um schnelle Ergebnisse mit KI — Vercel-Deploys in Minuten, Cloud-APIs für alles, was man braucht. Beeindruckend, keine Frage.
Auf dem Heimweg ließ mich eine Gegenfrage nicht los: Was passiert, wenn man bewusst einen anderen Weg einschlägt? Nicht langsamer, nicht schwieriger — aber bewusster?
Ich habe die Frage nicht allein beantwortet. In den folgenden Tagen führte ich eine intensive Diskussion mit Google Gemini 3.0 und OpenAI ChatGPT 5.2 Thinking — zwei KI-Modelle, die mir halfen, meine eigenen Annahmen zu hinterfragen und Architektur-Entscheidungen von verschiedenen Seiten zu beleuchten.
Die Entscheidung
Statt Vercel habe ich einen Hetzner-Server aufgesetzt, Coolify als Deployment-Plattform installiert und eine Infrastruktur gebaut, die ich vollständig selbst kontrolliere. Nicht weil Vercel schlecht wäre — sondern weil ich als KI-Transformationscoach eine Frage beantworten wollte, die mir in meiner Arbeit immer wieder begegnet: Was betreiben wir selbst, was geben wir ab?
Die technische Basis ist bewusst schlank:
- Hugo generiert statische Seiten — kein CMS, keine Datenbank, kein Server-seitiger Code
- Coolify auf einem Hetzner VPS übernimmt das Deployment per Git-Push
- Lokal arbeite ich auf dem Mac, im Home Lab steht ein Linux-Server für KI-Experimente
Was fehlt — und zwar absichtlich — sind die üblichen Cloud-Dienste: kein Firebase, kein Auth0, keine Analytics-Plattform. Keine Cookies, kein Tracking.
Drei Erkenntnisse, die mich überrascht haben
1. Wie viel Komplexität durch Weglassen verschwindet. Keine Cookies bedeutet: kein Consent-Banner, keine Cookie-Verwaltung, keine Opt-in-Logik. Keine externen Auth-Dienste bedeuten: kein OAuth-Flow, keine Token-Verwaltung, keine Drittanbieter-Abhängigkeiten. Was übrig bleibt, ist erstaunlich überschaubar.
2. Wie viele DSGVO-Themen sich durch Architektur erledigen. Auftragsverarbeitung, Drittlandtransfer, Privacy-Shield-Nachfolger — all das sind wichtige Themen. Aber sie entstehen erst durch die Nutzung bestimmter Dienste. Wer diese nicht nutzt, hat diese Probleme schlicht nicht. Das bedeutet nicht, dass DSGVO unwichtig ist — sondern dass Architektur-Entscheidungen und Compliance-Entscheidungen getrennt betrachtet werden können.
3. Wie gut KI-Werkzeuge mit ungewöhnlichen Setups zurechtkommen. Claude Code hat kein Problem damit, auf einem selbst gehosteten Setup zu arbeiten — solange die Architektur dokumentiert ist. Keine Vercel-Config? Kein Problem. Dockerfile statt Platform-as-a-Service? Funktioniert. Das war eine Erkenntnis, die ich nicht erwartet hatte und die einen eigenen Beitrag verdient.
Was ich damit zeigen will
Dieses Setup soll niemandem sagen, dass er Vercel nicht nutzen soll. Es soll zeigen, dass Architektur-Entscheidungen bewusste Entscheidungen sein sollten — und dass es sich lohnen kann, manche ‘Best Practices’ zu hinterfragen.