Es fing mit einem Meetup an. Beim Vibe Coding Cologne der Pirate Skills ging es um schnelle Ergebnisse mit KI — Vercel-Deploys in Minuten, Cloud-APIs für alles, was man braucht. Beeindruckend, keine Frage.
Auf dem Heimweg ließ mich eine Gegenfrage nicht los: Was passiert, wenn man bewusst einen anderen Weg einschlägt? Nicht langsamer, nicht schwieriger — aber bewusster?
Ich habe die Frage nicht allein beantwortet. In den folgenden Tagen führte ich eine intensive Diskussion mit Google Gemini 3.0 und OpenAI ChatGPT 5.2 Thinking — zwei KI-Modelle, die mir halfen, meine eigenen Annahmen zu hinterfragen und Architektur-Entscheidungen von verschiedenen Seiten zu beleuchten.
Die Entscheidung#
Statt Vercel habe ich einen Hetzner-Server aufgesetzt, Coolify als Deployment-Plattform installiert und eine Infrastruktur gebaut, die ich vollständig selbst kontrolliere. Nicht weil Vercel schlecht wäre — sondern weil ich als KI-Transformationscoach eine Frage beantworten wollte, die mir in meiner Arbeit immer wieder begegnet: Was betreiben wir selbst, was geben wir ab?
Die technische Basis ist bewusst schlank:
- Hugo generiert statische Seiten — kein CMS, keine Datenbank, kein Server-seitiger Code
- Coolify auf einem Hetzner VPS übernimmt das Deployment per Git-Push
- Lokal arbeite ich auf dem Mac, im Home Lab steht ein Linux-Server für KI-Experimente
Was fehlt — und zwar absichtlich — sind die üblichen Cloud-Dienste: kein Firebase, kein Auth0, keine Analytics-Plattform. Keine Cookies, kein Tracking.
Drei Erkenntnisse, die mich überrascht haben#
1. Wie viel Komplexität durch Weglassen verschwindet. Keine Cookies bedeutet: kein Consent-Banner, keine Cookie-Verwaltung, keine Opt-in-Logik. Keine externen Auth-Dienste bedeuten: kein OAuth-Flow, keine Token-Verwaltung, keine Drittanbieter-Abhängigkeiten. Was übrig bleibt, ist erstaunlich überschaubar.
2. Wie viele DSGVO-Themen sich durch Architektur erledigen. Auftragsverarbeitung, Drittlandtransfer, Privacy-Shield-Nachfolger — all das sind wichtige Themen. Aber sie entstehen erst durch die Nutzung bestimmter Dienste. Wer diese nicht nutzt, hat diese Probleme schlicht nicht. Das bedeutet nicht, dass DSGVO unwichtig ist — sondern dass Architektur-Entscheidungen und Compliance-Entscheidungen getrennt betrachtet werden können.
3. Wie gut KI-Werkzeuge mit ungewöhnlichen Setups zurechtkommen. Claude Code hat kein Problem damit, auf einem selbst gehosteten Setup zu arbeiten — solange die Architektur dokumentiert ist. Keine Vercel-Config? Kein Problem. Dockerfile statt Platform-as-a-Service? Funktioniert. Das war eine Erkenntnis, die ich nicht erwartet hatte und die einen eigenen Beitrag verdient.
Was ich damit zeigen will#
Dieses Setup soll niemandem sagen, dass er Vercel nicht nutzen soll. Es soll zeigen, dass Architektur-Entscheidungen bewusste Entscheidungen sein sollten — und dass es sich lohnen kann, manche ‘Best Practices’ zu hinterfragen.

