Die App-Challenge: native Apps bauen, ohne je eine gebaut zu haben
Von Peter Schmidt
Mit Claude Code ganze Apps bauen - für Apple und das Android-Universum, ganz ohne je zuvor für diese Plattformen entwickelt zu haben? Das ist eine reizvolle Herausforderung. Bleibt nur die Frage: welche App-Idee?
Eine Idee aus dem eigenen Alltag
Ich bin die Situationen durchgegangen, in denen ich mir App-Unterstützung gewünscht hätte. Das Muster ist immer dasselbe: Ich komme irgendwo an und finde mich nicht auf Anhieb zurecht. Im unbekannten Bürokomplex fehlt mir die Info, wie ich mich mit der Videoausgabe verbinde. Auf einer Veranstaltung suche ich Moderationsmaterial, Getränke oder eine Abrechnungsmöglichkeit - in Räumen, die alle unterschiedlich ausgestattet sind.
Ganz konkret wurde es zuletzt auf einem permanenten Indoor-Flohmarkt: Ich wollte schnell herausfinden, wessen Stand ich gerade vor mir hatte, ob dieser Anbieter noch woanders ausstellt - und wie ich ihn später erreiche, wenn ich mich doch noch für ein Stück entscheide und er längst weitergezogen ist.
Eine alte Technik für eine offene Lücke
So kam mir die Idee, eine eigentlich ziemlich alte Technik einzusetzen: Bluetooth-Beacons. Sie werden seit über zehn Jahren an vielen Stellen verbaut, bringen aber meist eine aufwändige, spezialisierte App und eine ebenso aufwändige Installation durch Dienstleister mit sich.
Eine kurze Marktrecherche mit Gemini und ChatGPT bestätigte den Verdacht: Es gibt einen großen, etablierten Markt - aber kaum Marktdurchdringung für kleine Vorhaben. Für kleine Museen, Ausstellungen, Flohmärkte oder Veranstaltungen klafft eine Lücke. Die nächste Recherche zeigte: Die Hardware ist günstig und lässt sich preiswert in China bestellen. Gesagt, getan - zehn Holy-IoT-Beacons sind unterwegs zu mir.
NearGuide: das erste Lastenheft
Die App bekommt einen Namen - NearGuide - und die Domain nearguide.info ist reserviert. Ein erstes Product Requirements Document steht, die groben Funktionen sehen so aus:
- Komplett offline. Nicht überall gibt es Internet oder WLAN. An einer zentralen Stelle, etwa dem Eingang, lassen sich die Daten für ein komplettes Objekt herunterladen und auf dem Handy vorhalten.
- Vorlesen als Standard. Unterwegs möchte ich nicht ständig aufs Handy starren, sondern mir über Kopfhörer vorlesen lassen, was in meiner Nähe zu wissen ist.
- Ortsbezug. Bewege ich mich zu einem neuen Ort und verweile kurz, werde ich informiert, dass dazu bereits Informationen vorliegen - abrufbar per Knopfdruck, zum Ansehen oder Anhören.
- Zwei Rollen, eine App. Im Normalfall möchte ich konsumieren - mir vorlesen lassen, was um mich herum relevant ist. Zugleich braucht es eine zweite, bewusst einfach gehaltene Seite: Ein Guide-Produzent oder Kurator - manchmal bin das auch ich selbst - muss mit geringem Aufwand eigene Guides erstellen, Orte beschreiben, ergänzen, ändern und die Beacons dafür vorbereiten können.
- Nativ für iOS und Android. Und das, ohne in meinem Leben je etwas für diese Plattformen entwickelt zu haben.
Die Challenge ist angenommen
Genau dieser letzte Punkt ist der Reiz. Claude Code hat die Challenge angenommen - und die Arbeiten können beginnen, zunächst gestützt auf Claude Opus 4.7.
In Teil 2 zeigt sich die erste Hürde: Die mitgelieferte Beacon-Software gibt nicht her, was iOS braucht - und Claude Code wird zum Reverse-Engineering-Werkzeug.