Native Apps entstehen: vom Plan Mode bis zum Realitätscheck
Von Peter Schmidt
Reverse Engineering war die Fingerübung. Jetzt soll aus NearGuide eine echte App werden - nativ für iOS und Android.
Erst der Plan
Am Anfang steht ein Plan. Claude Code hat dafür einen eigenen Plan Mode: Ich gebe meine groben Rahmenbedingungen ein, Claude zerlegt die Umsetzung in Schritte und Milestones. Das klingt plausibel - und aus dem Reverse-Engineering-Schritt weiß ich ja bereits, dass Claude funktionierende Anwendungen mit Apples Xcode und Swift bauen kann.
Also werfe ich einen kurzen Blick auf den Plan, lasse die ersten Artefakte bauen und habe binnen weniger Stunden eine erste Version im Emulator.
Die Zweifel - und ein zweites Paar Augen
Am nächsten Tag kommen die ersten Zweifel. War das zu einfach, ging das nicht zu schnell? Zur Kontrolle lasse ich Codex aus dem Hause OpenAI über den Code schauen. Wie es sich für ein ordentliches AI-Tool gehört, kann auch Codex Kritik an einer bestehenden Implementierung üben - in diesem Fall hielt sie sich aber in Grenzen, und Claude Code arbeitete die Punkte ohne Mühe ab.
Zwischen diesen Sessions wechselte mein Werkzeug die Generation: von Opus 4.7 auf 4.8. Entsprechend meiner ursprünglichen Vorgabe konnte ich die Apps direkt auf iPhone und iPad testen - und sie taten, was sie versprachen. Wo die Bedienung noch holprig war, lag es meist daran, dass ich mich selbst nicht ganz klar ausgedrückt oder mir vorab schlicht die Vorstellung gefehlt hatte. So entstand Funktion um Funktion, bis nach zwei weiteren Sessions feststand: Feature Complete.
Der Realitätscheck auf echter Funkstrecke
Die Rechnung hatte ich allerdings ohne das händische Testen gemacht. Claude lieferte ein ausführliches Testprotokoll samt Liste wichtiger Screenshots mit - und genau hier wurde es aufwändig.
Damit die Annäherung an einen Beacon getestet werden kann, muss ich jedes Mal so weit aus dem Haus, dass iPhone und iPad das Signal verlieren, und dann zurückkommen. Dazu kommt eine bewusst eingebaute Wartezeit: Die App soll nicht bei jedem kurzen Funkschatten neu feuern. Praktischer Nebeneffekt - ich habe die Testläufe mit meinen Hunderunden verbunden. Als Beispieldatensatz diente eine virtuelle Tour durch die Atta-Höhle mit ihren ersten Hallen und Tropfsteinformationen, mit AI erstellt und von Hand in die App übertragen.
Unterm Strich brauchte das Testen auf echten Geräten und echter Funkstrecke mindestens so viel Zeit wie die eigentliche Programmierung. Und: Es funktionierte alles.
Was das Projekt wachsen ließ
Im Lauf der Lernreise wuchs das Vorhaben aber noch deutlich an. Drei Baustellen stechen heraus:
- Sprachausgabe. Die Sprachgenerierung auf den Apple-Geräten ist selbst mit den besten Sprachpaketen noch enttäuschend. Da hoffe ich auf iOS 27 - Apples WWDC steht im Juni 2026 an.
- Veröffentlichung. Schon der Weg über Apples TestFlight verlangt mehr Dokumentation, Webseiten und Orga-Aufwand als gedacht. Die Domain nearguide.info ist schnell gesichert - jetzt geht es ans Befüllen.
- Android. Mehr als die Hälfte der Smartphones läuft mit Android, viele davon mit älteren Versionen. Damit die Guides breit ankommen, müssen sie zumindest ab Android 13 laufen. Das ist schon die Untergrenze - und trotzdem ein Gerät von 2022. Bleibt die Frage: Wo bekomme ich zum Testen so ein vier Jahre altes Ding her?
Es werden also noch einige Beiträge folgen.